Wie du eine mehrtägige Fahrradreise richtig planst

Wohin soll deine Radreise gehen?

Es ist nicht so wichtig, ob du diese Frage schon beantwortet hast. Sicher ist: Du willst eine Radtour über mehrere Tage machen. Es soll ein schöner Urlaub werden. Du möchtest beim Radfahren abschalten und entspannen.

Bei einer Radreise sollte immer eins gelten:

Der Weg ist das Ziel.

Damit du das Ziel gut erreichst, solltest du dich ausreichend vorbereiten. Ich zeige dir, wie du vorgehen kannst.

 1. Wähle die passende Region

Du weißt schon genau, wo du radeln möchtest? Gut! Ließ trotzdem weiter! Und wenn nicht natürlich erst recht.

Natürlich kann man im Prinzip überall Radfahren. Und es gibt auch Leute, die überall mit dem Rad hinfahren. Doch gerade wenn du noch wenig Erfahrung mit mehrtägigen Touren hast, solltest du dich genau informieren.

Du kannst deine Radtour direkt von zu Hause aus starten oder ganz woanders fahren. Wenn du gut trainiert bist, kannst du dich in die Berge wagen. Ist es deine erste Radtour, empfiehlt es sich einem Fluss zu folgen. Der ADFC hat einige Informationen zur Wahl des Reiseziels gesammelt.

Auf dem Fahrrad bist du draußen.

Darum gilt: Je weiter du dich von zu Hause weg wagst, desto genauer solltest du dich informieren. Besonders auch über die Jahreszeit in der du fahren willst. Wie ist das Wetter zu der Zeit? Musst du mit Gegenwind rechnen? Könnte es häufiger regnen? Ist es eine beliebte Fahrradregion und du fährst in der Hauptsaison? Dann könnten Unterkünfte und Radwege sehr voll sein.

Informiere dich auch über das Radwege-Netz. Von Autos befahrene Straßen sollten immer nur die Notlösung sein. Es macht einfach weniger Spaß, ist gefährlicher und führt oft nicht an den schönsten Stellen der Region vorbei. Es gibt ein Fernradwegenetz EuroVelo für lange Strecken und auf fahrrad-tour.de eine Übersicht über alle Radwege für den Lückenschluss.

Jetzt hast du die passende Region gefunden. Weiter geht es mit einer groben Routenplanung.

2. Beginne eine grobe Routenplanung

Du weißt wo die Reise hin gehen wird. Du weißt wie lange du Zeit hast. Dann kannst du jetzt bestimmen wie weit du fahren möchtest. Dabei kannst du dich an folgende Anhaltspunkten orientieren:

  • Ein Anfänger schafft 40 bis 60 km an einem normalen Tag.
  • Wer oft fährt schafft 80 bis 120 km.
  • Am ersten Tag fährt man weniger. Besonders wenn man erst morgens anreist.
  • Gut beschilderte Radwege bringen dich 10% weiter.
  • Zelten verlangsamt um 20% (Auf- und Abbau, Gewicht).
  • Nach fünf bis zehn Tagen benötigt man einen Pausentag.
  • Berge müssen im Einzelfall berücksichtigt werden.
  • Der Wind kann die stärkste Bremse sein. Bei langen Strecken im Flachland solltest du darum die Hauptwindrichtung beachten.

Gehe nun die einzelnen Punkte durch und schätze für dich ein, welche Strecke du in deiner Zeit fahren willst. Und von wo nach wo es gehen könnte.

Wenn du von zu Hause aus startest, hast du du die nächste Frage bereits gelöst: Die Anreise. Ansonsten solltest du dich fragen, wie du an den Startpunkt kommst. Dazu hilft eine kurze Online-Recherche über deine Möglichkeiten. Es stehen einige Verkehrsmittel zur Auswahl. Jedes hat seine Besonderheiten:

  • Im Flugzeug musst du dein Fahrrad verpacken.
  • Züge sind bei Radfahrern sehr beliebt und dadurch oft voll.
  • Einige Fernbusse nehmen Fahrräder mit.
  • Fähren sind meistens problemlos möglich.
  • Das eigene Auto eignet sich nur bei einer Rundtour.

Mehr dazu findest du auch noch weiter unten.

Sofern du keine Rundtour planst, musst du dir die gleichen Überlegungen auch noch einmal zu deinem Zielpunkt machen. Aus der Kombination aus deiner Wunschregion, den möglichen Einstiegspunkten und deiner Zeit ergibt sich dann eine grobe Route.

Überlege noch einmal ob alles für dich passt. Ja? Dann kannst du jetzt die einzelnen Etappen planen.

Weitere Informationen findest du auch beim ADFC. Wenn du eine anspruchsvollere Tour planst, lohnt sich auch radtourenplanung.de und der Artikel ‚Wie plane ich eine Radreise‘ auf biketour-global.de.

Etappen-Planung auf der Karte

3. Plane die einzelnen Etappen

Jetzt  weißt du schon wo es lang geht. Du hast dir deine Strecke ausgesucht. Unterwegs gibt es viel zu sehen.

Damit das alles klappt, teilst du dir die Tour in Tagesetappen auf. Damit bestimmst du nicht nur die Orte, in denen du nach Unterkünften Ausschau halten kannst. Du machst damit auch einen Check, ob die Tour machbar ist.

Besorge dir zuerst eine Karte. Entweder aus Papier oder online. Es gibt von fast jeder Region auch eine Fahrradkarte. Eine gute Suche nach Karten bietet mapfox.de. In vielen Städten gibt es auch spezialisierte Karten-Händler. Für die Etappenplanung sollte die Karte mindestens einen Maßstab von 1:200.000 haben.

Wenn du lieber online planst, kannst du dir eine eigene Karte erstellen. Dies geht zum Beispiel mit dem Map Maker von Nationalgeographic, mit GPSies oder Google My Maps.

Jetzt gehst du beginnend von deinem Startpunkt die einzelnen Etappen durch. Halte dabei Ausschau nach Stellen, die dich bremsen könnten: Berge, Fähren, Städte, Sehenswürdigkeiten, … Achte immer darauf, die Tagesstrecke nicht zu hoch zu setzen. Markiere dir jedes Etappenziel auf deiner Karte. Markiere dir auch alle Besonderheiten, die dir auffallen.

Parallel solltest du dir einen Kalender zur Hand nehmen. Außer du hast unbegrenzt Zeit für deine Reise. Trage dir ein, an welchem Tag du welche Etappe fahren willst. Geht die Zeit auf?

Zur genauen Planung kannst du die einzelnen Etappen in einem Routenplaner berechnen lassen. Diese gibt es für HessenBerlinRheinland-PfalzNordrhein-Westfalen und Bayern. Sehr genau ist auch die weltweite Fahrradkarte Open Cycle Map. Aufgezeichnete Touren von anderen Radlern sammelt das Projekt GPSies.

Wenn die ganze Route abgesteckt ist und die Entfernungen für dich machbar sind, kannst du dich um An- und Abreise kümmern.

4. Organisiere An- und Abreise

Die Route und die einzelnen Etappen sind geplant. Du weißt wann es los geht und wann du wieder zurück sein willst.

Jetzt musst du nur noch an den Startpunkt kommen. Außer du startest von zu Hause.

Du hast am Anfang schon kurz recherchiert, welche Möglichkeiten es gibt. Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Hilfreiche Informationen findest du hier:

  • Eine sehr ausführliche Zusammenfassung zur Fahrradmitnahme im Flugzeug und die Preise dazu gibt es bei skyscanner.de.
  • In Zügen kann man das Fahrrad meistens gut mitnehmen. In Deutschland jedoch nicht im ICE. In manchen Ländern Europas nur in wenigen Regionalzügen (zum Beispiel in Schweden). Beachte auch, das man häufig ein zusätzliches Ticket braucht und nur begrenzt Stellplätze vorhanden sind.
  • Die Fernbusse in Deutschland nehmen begrenzt Fahrräder mit. Der ADFC hat eine Übersicht über die Möglichkeiten erstellt.
  • Wenn du eine Strecke mit der Fähre fahren willst, ist die Fahrradmitnahme so gut wie sicher und meistens günstig.

Schreibe dir auch auf ab wann oder bis wann du die Stecken buchen kannst. Zum Beispiel können Züge in Deutschland und Teilen Europas erst ab drei Monaten vor der Fahrt gebucht werden. Dann solltest du aber schnell sein, damit du noch einen der begrenzten Plätze für dein Fahrrad bekommst.

Informiere dich auch über alternative Reisemöglichkeiten. Wo kannst du zwischendurch die Reise abbrechen, zum Beispiel wenn das Wetter zu schlecht ist.

Nun ist der Pflichtteil geschafft und die Reise kann beginnen. Wer im Urlaub total entspannt sein will, plant noch ein bisschen weiter.

5. Verfeinere deine Planung

Von der Anreise über die einzelnen Tagesetappen bis zum Weg zurück nach Hause hast du alles geplant.

Wenn du deine Etappen bereits sehr genau festgelegt hast, kannst du sogar schon Unterkünfte raussuchen und auch fest buchen. Das ist besonders in der Hochsaison zu empfehlen. Wer lieber spontan ist kann auch jeden Abend vor Ort suchen. Insbesondere mit dem Zelt stellt das meistens kein Problem dar. Du solltest aber deine Optionen kennen. Markiere sie dir auf deiner Karte!

Nimm dir noch Zeit und informiere dich über das Land links und rechts deines Weges. Was kann man unterwegs sehen? Wofür ist die Stadt bekannt? Was ist die lokale Spezialität und wo bekommst du sie unterwegs?


 

Wie bereitest du dich sonst noch vor? Was kannst du anderen Empfehlen? Hinterlasse es in einem Kommentar!

 

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4 Kommentare

  1. Wow! Deine Ausführungen zum Thema Reiseplanung finde ich wirklich klasse.
    Ich habe als Tourenanfänger genau nach soetwas gesucht, aber nur bei dir gefunden.

  2. Danke für diesen tollen Beitrag! Hat mir sehr geholfen und mich auf einiges hingewiesen.
    Wir planen eine Rad-Camping-Tour durch die Normandie. Hast du zufällig Erfahrung damit?
    Und kennst du dich mit Fahrradbekleidung aus?
    VG

    1. Hallo Sarah, mit der Normandie kenne ich mich nicht aus, dort war ich noch nicht. Wegen der Lage direkt am Atlantik würde ich mich aber genau über die Hauptwindrichtung informieren und überlegen ob ich hauptsächlich West-Ost oder Ost-West fahren würde. (Wahrscheinlich ersteres)
      Mit Fahrradkleidung kenne ich mich aus. Vielleicht mache ich auch mal darüber einen Artikel.

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